Erste Schritte
In zehn Minuten durch ein laufendes Brio-IO: einloggen, einen Channel ansehen, eine eigene HL7-Nachricht durchschicken und das Ergebnis Stufe für Stufe lesen.
Stand: Beispiele geprüft gegen brio-server fa237ec7ad
Diese Seite führt dich einmal komplett durch Brio-IO — nicht an Screenshots entlang, sondern an einem laufenden System. Als Kulisse dient die öffentliche Demo: ein vollständiges Brio-IO im Browser, mit vorkonfigurierten Channels und fließendem Traffic.
Warum Demo und nicht „lokal installieren”? Brio-IO ist im Early Access. Es gibt bewusst keinen öffentlichen Self-Service-Download — Zugänge richten wir persönlich ein. Wie ein eigener Server betrieben wird, steht im Kapitel Betrieb; zum Kennenlernen ist die Demo der schnellere und ehrlichere Weg.
Was du brauchst
Einen Demo-Zugang. Der ist personalisiert — kein Self-Service-Formular, keine Zugangsdaten auf der Website. Wenn du noch keinen hast: frag uns nach einem Zugang und schreib kurz dazu, welche Schnittstellen du integrieren willst.
Zwei Dinge, die du vorher wissen solltest:
- Die Demo wird alle zwei Stunden auf einen frischen Seed-Stand zurückgesetzt. Was du änderst, ist zum Ausprobieren gedacht, nicht zum Behalten.
- Schick ausschließlich Testdaten durch. Keine echten Patienten-, Personen- oder Klinikdaten.
1. Einloggen
Öffne die Demo und melde dich mit deinen Zugangsdaten an. Nach dem Login landest du im Dashboard: eine Übersicht der Channels mit ihren Kennzahlen — empfangen, gesendet, Fehler.
Anders als bei einer frischen Installation ist hier schon etwas los: Der eingebaute Message Generator speist laufend synthetische HL7v2-Nachrichten (ADT^A01) durch die Channels, über nahezu den ganzen Zwei-Stunden-Zyklus. Wer zehn Minuten nach einem Reset kommt, sieht Leben — nicht ein leeres Dashboard.
2. Einen Channel ansehen
Ein Channel ist die Verarbeitungsstrecke einer Nachricht. Er hat genau einen Source-Connector (wo Nachrichten hereinkommen), optional Filter und Transformer, und einen oder mehrere Destination-Connectors (wohin das Ergebnis geht):
Source → Filter → Transformer → Destinations
Öffne einen der vorkonfigurierten Channels. Du siehst dieselbe Reihenfolge im Editor wieder. Zwei der Demo-Channels sind mit Absicht unterschiedlich geskriptet: einer nutzt das moderne Property-Idiom (GraalJS), einer den klassischen E4X-Stil aus Mirth (Rhino). Was der Unterschied bedeutet, steht im Transformer-Handbuch.
3. Eine eigene Nachricht durchschicken
Das ist der Moment, der die Frage beantwortet, die wirklich zählt: „funktioniert das mit meinen Daten?”
- Öffne bei einem Connector den Test-Modus.
- Klick auf „Aus Datei laden” und wähle deine Datei. Erlaubt sind
.hl7,.txt,.xmlund.jsonbis 1 MB. Die Datei wird lokal im Browser gelesen und landet im Nachrichtenfeld — sie geht nicht über einen Umweg durch irgendeinen Dateiablage-Dienst. - Generieren schickt die Nachricht durch den Connector — inklusive der konfigurierten Transformer.
Du kannst den Text im Nachrichtenfeld auch direkt tippen oder einfügen, wenn du keine Datei zur Hand hast.
4. Das Ergebnis im Message-Browser lesen
Im Message-Browser taucht deine Nachricht auf. Und hier liegt der eigentliche Wert: Brio-IO speichert die Nachricht stufenweise, nicht nur am Ende.
| Stufe | Was du siehst |
|---|---|
RAW | genau das, was hereinkam — unverändert |
TRANSFORMED | das Ergebnis nach Filter und Transformer |
SENT | was an die Destination ging |
Öffne die Stufen nebeneinander: links dein Original, rechts das Ergebnis. Jede Stufe lässt sich über den Download-Knopf herunterladen — auch das kanonische XML, gegen das deine Skript-Pfade laufen würden.
Wenn eine Nachricht nicht durchgeht, ist das genauso sichtbar: Der Status wird
ERROR, und im Hinweise-Bereich der Nachricht steht, woran es lag. Eine
Nachricht, die ein Filter verworfen hat, erscheint als FILTERED — sie
verschwindet nicht stillschweigend.
5. Einen Transformer ändern und deployen
Bearbeite im Channel-Editor den Transformer eines Channels — ändere eine Zeile,
speichere und deploye den Channel neu. Die nächsten Nachrichten tragen deine
Änderung. Im Message-Browser siehst du den Unterschied unmittelbar: die
RAW-Stufe unverändert, die TRANSFORMED-Stufe mit deinem neuen Wert.
Ein Beispiel, das in der Demo genau so läuft (GraalJS):
msg.MSH.MSH_6.MSH_6_1 = 'BRIO-DEMO-MODERN';
var zbr = createSegment('ZBR', msg);
zbr.ZBR_1 = 'script-created';
msg;
Drei Dinge stecken darin: ein Feld schreiben, ein neues Segment anlegen, und die Nachricht zurückgeben. Alle drei erklärt das Transformer-Handbuch im Detail.
6. Branches: eine Änderung beobachten, bevor sie live geht
Einer der Demo-Channels trägt einen Shadow-Branch. Er beobachtet den echten
Traffic des laufenden Channels und führt die Pipeline auf einer Live-Kopie aus —
ohne ein echtes Ziel anzurufen. Im Message-Browser erscheinen dafür
SHADOW_SENT-Einträge, die mit dem Traffic mitwachsen.
Im Vergleich siehst du dann Nachricht für Nachricht, ob main und Branch
dasselbe Ergebnis erzeugen — mit dem Urteil DIFFERENT, wenn sie es nicht tun.
Das ist der Punkt, an dem eine Änderung überprüfbar wird, bevor sie
Konsequenzen hat.
Ehrliche Grenze: Einen Branch deployen kannst du heute nicht. Der Knopf ist absichtlich deaktiviert, und der Server lehnt einen solchen Deploy mit einem Fehler ab. Der Grund steht im Kapitel Konzepte — es ist kein Bug, sondern eine bewusste Sperre, solange alle Branches denselben Laufzeit-Kontext teilen. Der Validierungsweg ist Shadowing plus Vergleich.
Wie es weitergeht
- Konzepte — Channel- und Connector-Modell, kanonisches XML, Git als Konfigurationsquelle, Branches.
- Transformer-Handbuch — Feldpfade lesen und schreiben, Segmente anlegen, Wiederholfelder, alle drei Engines.
- Connector-Referenz — welche Protokolle es gibt und wie sie konfiguriert werden.
- Mirth-Migration — was wörtlich weiterläuft und was nicht.
Diese Seite gibt es bisher auf Deutsch und Englisch. Die spanische Fassung folgt.